Die Geschichte des Cocktails

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Alkoholische Mischgetränke gibt es bereits seit Menschengedenken. Durchgesetzt haben sich die Cocktails aber erst im 19. Jahrhundert. Ein Gang durch die Geschichte.

Wer dachte, dass die Geschichte des Cocktails im «golden Age» beginnt, liegt falsch. Die Historie reicht viel weiter zurück als gedacht, denn alkoholische Mischgetränke sind eng mit der Menschheitsgeschichte verwoben. In China wurden die ersten Gefässe gefunden, die Rückstände von vergorenem Reis, Honig und Früchten aufwiesen und auf etwa 7000 vor Chr. datiert. Ungefähr zur selben Zeit begannen auch Kulturen im Nahen Osten, Bier aus Gerste zu brauen und aus wilden Trauben Wein herzustellen. In Japan, Korea und auch im antiken Griechenland wurden diese Weine mit verschiedenen Zutaten aromatisiert, beispielsweise mit Wermut - heute eine der wichtigsten Cocktail-Zutaten.

Spirituosen werden entdeckt

Ein bedeutender Meilenstein in der Geschichte der alkoholischen Mixgetränke war die Entdeckung der Destillation. Im etwa 2000 Jahre alten indischen Staatsrechtslehrbuch Arthashastra werden mehrere Spirituosen erwähnt, die man mit Hilfe des Brennens gewann. Auch den alten Griechen war diese Methode bekannt, wurde jedoch nicht zur Gewinnung von Spirituosen verwendet. Das Wissen um das Destillieren verflüchtigte sich im Nebel der Zeit und schaffte den Sprung ins Mittelalter nicht. Erst arabische Alchemisten entwickelten einen Destillierapparat mit dem Weinbrand gefertigt wurde. Mit der Eroberung der iberischen Halbinsel durch die Mauren gelangte das Wissen um 1140 nach Spanien. Zwischen dem 13. und dem 15. Jahrhundert verbreiteten sich Destillerien in ganz Europa und im 16. Jahrhundert begann auch die Spirituosenherstellung in der Neuen Welt, wo früh Zuckerrohrschnaps gebrannt wurde.

Erste Vorläufer des Cocktails

Nachdem der schwedische Priester Israel Acrelius zwischen 1749 und 1756 die britischen Kolonien in Nordamerika bereiste, berichtete er von 45 verschiedenen «Mixed Drinks», darunter Kombinationen mit Zitronensaft, Milch und gesüsstem Essig. Ein Engländer hielt zur selben Zeit fest: „Das erste, was Amerikaner am Morgen begehren, sind geistige Getränke, die mit Zucker, Minze oder anderen starken Kräutern gemixt werden und die man Slings nennt.“ Alkohol war über die Jahrhunderte von einem Elixier der Alchemisten zu einem täglichen Nahrungsmittel geworden, das in der Medizin sogar als gesund und vitalisierend galt. Etwa zur gleichen Zeit eröffneten in Europa noch heute währende Traditionshäuser ihre Tore, darunter etwa die Destillerie De Tweelingh von Herman Jansen. Sie produzierte 1777 den Genever, der Vorgänger des weltberühmten London Dry Gin.

Cocktails werden populär

Galt der morgendliche Konsum von Cocktails anfangs noch als unanständig, konnte das Getränk bis etwa 1830 auch zunehmend in die etablierten Kreise der Gesellschaft vordringen. Cocktails wurden nun auch bei der Fuchsjagd oder bei Polospielen konsumiert und verloren ihr anstössiges Image und ihr Konsum verschob sich in gesellschaftlich weniger umstrittene Tageszeiten. Gleichzeitig kritisierte man die oft von Apothekern hergestellten Bitters als Quacksalberei. Im Cocktail konnten die Spirituose das sein, was sie auch heute noch darstellen: ein Genussmittel. Zur Popularisierung der Mixgetränke in den Vereinigten Staaten während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts trugen insbesondere die technischen Innovationen bei den Destillationsverfahren bei. Zudem brachte die Einwanderung nicht nur technisches Wissen, sondern eben auch viele Menschen mit ihren Vorlieben ins Land, so dass in Amerika zahlreiche neue Mixgetränke entstanden, wie der legendäre Martini (zu unserer Neuinterpretation). Auch die Verfügbarkeit von Eis, heute eine nicht mehr wegzudenkende Zutat bei der Zubereitung fast aller alkoholischen Mixgetränke, verbesserte sich in diesen Jahren. So baute Frederic Tudor 1820 in New Orleans ein grosses Eislagerhaus und exportierte nordamerikanisches Natureis bis nach Rio de Janeiro.

Offizieller Kanon der Cocktails

Ein wichtiger Meilenstein in der Cocktailgeschichte ist das 1862 veröffentlichte Buch «How to Mix Drinks, or the Bon Vivant’s Companion» von Jerry Thomas. Seine berüchtigte Rezeptsammlung wurde zum Standardwerk und das Buch verbreitete sich in mehreren Auflagen und zahlreichen Nachdrucken sehr schnell, sogar bis zurück nach Europa. Zuvor war der Barkeeper schon mehrere Jahre lang quer durch die Vereinigten Staaten getingelt und hat in seinem Buch zahlreiche Mixrezepte gesammelt und kategorisiert. Erstmals war damit eine Art „offizieller Kanon“ der Mixgetränke entstanden.

Goldenes Zeitalter der Cocktails

Im «Goldenen Zeitalter der Cocktails» zum Ende des 19. Jahrhunderts entstanden in Nordamerika zahlreiche Saloons und Bars, die hauptsächlich Alkohol ausschenkten. Nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg (1861–1865) schritt die Erschliessung des „Wilden Westens“ weiter voran. Entlang der Eisenbahnlinie, die seit 1869 die westlichen Bundesstaaten erschloss, entstanden zahlreiche Städte mit Bars und Saloons. Gleichzeitig professionalisierte sich der Berufsstand der Barkeeper und noch heute gültige Techniken etablierteren sich bei der Zubereitung von Cocktails. Viele heute noch bekannte Klassiker wie der Old Fashioned und der Manhattan entstanden in jenen Jahren.

Lebendige Kultur

Um die Wende vom 19. in das 20. Jahrhundert etablierte sich eine weltweit Freizeitkultur und die Leute erholten sich vornehmlich in Bars. In der neu gewonnen Zeit experimentierte man mit verschiedenen Rezepten und so entstanden auf der ganzen Welt neue Cocktails. Zu erwähnen sind etwa der Sazerac aus New Orleans (1899) oder der Florenzer Negroni (1939). Diese neue experimentierfreudige Kultur hat zu rund 1’500 Cocktails mit ausführlichen Rezepten geführt, die wir heute um den gesamten Globus geniessen können. Mit Bestimmtheit werden weitere folgen.